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  • AutorenbildJosephine

Füße im Wasser

Es gibt einen absoluten Lieblingssee in meiner Nähe, der ein wahrer Kraftort für mich ist. Hier hört mein monkey mind tatsächlich mal auf zu schnattern, ohne das ich dafür was tun muss, es passiert einfach und ausschließlich positive, mutmachende Gedanken befinden sich in meinem Kopf. Oder wahrhaftig auch mal gar keine Gedanken, was einfach nur herrlich ist. Einfach aufgrund der Ruhe ausstrahlenden Natur, der sich im Wind raschelnden Bäume, des glitzernden Wassers, ist Loslassen und Durchatmen von ganz alleine möglich. Der Gemütszustand wechselt in Sekunden von gestresst und sorgenvoll in eine vertrauensvolle, optimistische „alles wird gut“-Mood.

Ich sitze auf einem Steg am See und werde gleich meine Füße hineinhalten. Es ist ein Sommertag im Juni, leicht bewölkt und angenehm warm-kalt. Auf die kühle Seefrische hatte ich mich schon mit Beginn der Fahrt zum See riesig gefreut. Den Moment, wenn die Füße ins Wasser eintauchen, wollte ich ganz besonders dieses Mal genießen. No idea why, aber das war heute mein Ziel. In mir herrschte einfach pure Vorfreude und ich wollte ihn ganz Eckart Tolle-like auskosten und bewusst erleben. 100% präsent im Moment sein. Das kalte Wasser ist ein solcher Frischekick, der Körper wird hellwach, der Geist kommt sofort ins Jetzt und ein Gefühl von Lebendigkeit und Freude durchströmt mich. Ein großes, zufriedenes Lächeln zeichnet sich umgehend im Gesicht ab. Vollkommene Entspannung im Sein.

Nach einiger Zeit mit den Füßen im Wasser fällt mir auf, wie schnell ich mich doch daran gewöhnt habe. Das Wasser fühlt sich regelrecht warm mittlerweile an. Der Moment, der anfänglich für Aufregung gesorgt hatte, ist verflogen und das Empfinden des kalten Wassers ebenso. Mit den Füßen nun im warmen Wasser planschend, kommt mir der Gedanke, dass es generell im Leben genau so abläuft. Am Anfang ist da diese Aufregung, Herzklopfen, Vorfreude auf das Neue und Unbekannte. Je nachdem, um welche Situation es sich handelt, ist man positiv oder ängstlich aufgeladen. Was wählst du in solchen Situationen: Misstrauen & Angst oder Vertrauen & Liebe für das Bevorstehende? Wenn man begonnen hat, das Neue zu tun und es eine Weile gemacht hat, stellt sich relativ schnell Gewöhnung ein. Dann ist alle Aufregung, die zu Beginn aufkam, verflogen, weil man bereits mitten in der neuen Sache steckt und sich darauf konzentriert. Das gesetzte Vorhaben wird im Tun realisiert. Wenn dem so ist, dass man sich ziemlich schnell an das unbekannte Neue gewöhnt, warum dann schon vorher manche Situation fürchten oder vor sich herschieben? Wenn man mit absoluter Sicherheit sich daran gewöhnen wird, vermutlich dann auch Spaß hat und zunehmend besser in der Sache wird, dann kann man eigentlich voll im Vertrauen sein, von Beginn hat.

Dieses kleine Erlebnis hat mir mal wieder aufgezeigt, dass es nichts zu befürchten gibt, denn „das Wasser“ wird mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit wärmer werden. Außerdem hat es mich darin bestätigt, Situationen zu genießen, gleich in dem Moment, wo sie kurz davor sind zu beginnen, präsent zu sein, wenn „die Füße das Wasser berühren“, und man außerhalb der Komfortzone ist.

Wenn man etwas Neues lernt, muss man gütig mit sich sein. Aus dem Film „Eat, pray, love“ von Giovanni, während Liz Italienisch lernt

Sich zu beobachten, wenn man Dinge zum ersten Mal macht, erzählt dir, wie du mit dir umgehst. Was sagt dein „innerer Kritiker“, wie redest du mit dir selber? Was denkst du über dich? Nicht alle Momente im Leben sind so angenehme, wie der hier beschriebene. Oft geht es im Alltag darum, Dinge gut machen zu wollen, jemanden zu beeindrucken, Aufmerksamkeit zu bekommen oder auch einfach negatives Feedback zu vermeiden. Probiere es doch mal aus und suche dir etwas, was du zum ersten Mal machst. Zum Beispiel ein Gericht kochen mit gewissem Schwierigkeitsgrad für dich, etwas bauen, im Garten pflanzen, schneidern, konstruieren etc. Dann beobachte dich dabei, was deine innere Stimme sagt. Beobachte dich selber im Moment. Das geht und es ist sehr spannend, was du rausfinden wirst…

Vor einigen Monate hatte ich mir das Vorhaben gesetzt Mala-Ketten (Gebetsketten aus dem Yoga zum Mantra rezitieren, ähnlich einem Rosenkranz) selber zu machen. Einen Kurs wollte ich nicht besuchen, also habe ich auf YouTube Tutorials angeschaut. Die Gefühle, die durch meine Gedanken ausgelöst wurden, als ich etwas nicht konnte und falsch gemacht habe, einen Knoten mittendrin falsch gesetzt, so dass ich nochmal von vorne anfangen musste, haben mich teilweise wahnsinnig gemacht. Mein Bauch grummelte in einer Tour, weil es nicht so lief, wie ich das wollte. Die Woche Pause, in der ich eigentlich aufgeben wollte, und dennoch nicht loslassen konnte, darüber nachzudenken, wie ich es anders hinbekommen könnte mit dem Knoten, so dass es eine schöne Kette ergibt, hat mir gezeigt, dass alles ein Prozess ist und stetiges Suchen nach Lösungen und Geduld erforderlich sind. Seinen Fokus auf die Lösung und Möglichkeiten richten. Gütig mit sich sein, immer wieder geduldig, gut mit sich reden und darin vertrauen, dass es gut wird! An sich glauben, dass man es schaffen wird. Ich wollte Mala-Ketten selber knüpfen und habe dabei wieder ein Stück mehr über mich erfahren. Mittlerweile gehe ich mit Freude und Selbstvertrauen an den Erschaffungsprozess und deklariere eine Absicht für die Erstellung. Beim Lernen von etwas Neuem, bin ich durch meinen eigenen Dschungel von Gedanken und Gefühle gegangen und mit neuen Erkenntnisse herausgekommen. Das ist großartig.

Für mich sind neue Situation, die mit Leistung und Erfolg zu tun haben, oft eine ziemliche Herausforderung, weil ich den Trampelweg in meinem Kopf bestehend aus Angst und Selbstzweifel gut ausgetreten habe. Die Challenge in der Challenge für mich ist, immer wieder den neuen Weg im Vertrauen und mit dem Glauben an mich zu gehen. Denn wie gesagt, das Wasser wird wärmer werden und ich kann das.

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